Mama hat einen neuen Freund (Erfahrungsbericht)

Heutzutage kennen es leider viele Familien. Man liebt sich, möchte die Zukunft miteinander verbringen, erfüllt sich den gemeinsamen Kinderwunsch und trotzdem kann es zu einer Trennung kommen. Wenn Kinder in einer Beziehung entstanden sind, überlegt man sich das mit einer endgültigen Trennungen evtl. nochmal, aber extra deswegen zusammen zu bleiben, sorgt in den meisten Fällen auch nur für Unruhe und nicht für ein glückliches Familienleben. Manchmal bekommt man es nochmal hin und geht vielleicht zur Paartherapie o.ä. Hat man dich aber z.B. auseinander gelebt , wird eine Trennung somit leider oft nur hinausgezögert und am Ende ist man doch alleinerziehend. Vor allem für die Kinder ist es anfangs wirklich nicht leicht. Ich spreche da aus Erfahrung. Der Papa wird (in den meisten Fällen) vermisst und vielleicht bekommt man sogar das Gefühl vermittelt, die Familie kaputt gemacht zu haben. Meine Tochter gab mir damals die Schuld und ihr Verhalten war sehr grob mir gegenüber. Das machte die ganze Lebensumstellung natürlich nicht wirklich einfacher- weder für sie, noch für mich.

Wir mussten neu als Familie zusammen wachsen, was Höhen und Tiefen mit sich brachte. Irgendwann wurden wir ein starkes Team und kamen wieder gut miteinander aus. Private Probleme wurden gemeinsam überstanden und wir lernten es zu Schätzen viel Zeit miteinander verbringen zu können. Kleine Krisen schweisten uns zusammen und wir lernten mit der neuen Situation umzugehen und zu leben. Irgendwann überkam mich allerdings die Einsamkeit, was mir zeitweise sehr zu schaffen machte. Aufgrund negativer Erfahrungen in der Vergangenheit und aus Rücksicht auf meine Tochter kam eine neue Beziehung erst für mich nicht in Frage. Schließlich hatte sich gerade alles so gut eingespielt und beruhigt. Je mehr ich dagegen angegangen war, desto empfänglicher war ich irgendwie. Ich lernte einen tollen Mann kennen und wollte mich nicht verlieben, aber natürlich kommt man gegen diese verfluchten Schmetterlinge einfach nicht an. Ich wollte nicht das sie da sind, aber es wurden immer mehr! Okay, ich bin ja auch nur ein Mensch – mal gucken was passiert, war mein Gedanke. Irgendwann ließ ich es einfach zu und es ging mir nach Jahren endlich mal wieder so richtig gut und ich war glücklich!? Das merkte natürlich auch meine Kleine. Zuerst begründete ich meine Laune einfach mit „Es geht mir halt sehr gut im Moment“, aber so konnte und wollte ich es auf Dauer auch nicht belassen. Ich nahm mir die Ruhe und Zeit „den neuen“ erstmal ohne das Wissen meines Kindes etwas kennen zu lernen und habe dann irgendwann das Gespräch mit meiner Tochter gesucht. „Mama hat einen neuen Freund“ und der möchte uns bald mal besuchen. Ich hatte das Glück das es für sie kein Problem dar stellte. Sie hat ja auch ab und zu Freunde zu Besuch, also ist das ok. So war ihre Reaktion.

Die Kennenlern-Phase:

Ich hatte mich dazu Entschieden meinen neuen Freund zu uns nach Hause einzuladen, denn das uns Freunde besuchen und mit Mama Kaffee trinken, war meiner Tochter keineswegs fremd. Ausflüge bieten sich für die erste Begegnung evtl. auch an, aber ich wollte das mein Kind somit auch die Möglichkeit hat sich in ihr Zimmer zurück zu ziehen, falls sie sich unwohl fühlt. Eine gewohnte Umgebung bietet das Gefühl von Sicherheit und so war es auch. Die Beiden begrüßten sich schüchtern und sie tastete sich langsam an ihn heran. Sie kochte ihm was mit ihrer Spielzeug-Küche und lernte ihn langsam und spielerisch kennen. Die Situation entspannte sich dadurch recht schnell und war augenscheinlich für beide gar nicht mehr so schlimm. Rollenspiele sind eben toll für Kinder, um mit neuen Situationen besser klar zu kommen. Die Treffen danach waren schon ohne angespannte Stimmung in der Luft und inzwischen ist es für uns alle ganz „normal“.

Unsere Patchwork-Familie:

Was ich gut und wichtig finde ist, dass man nicht sofort zusammen zieht, denn so können sich alle in Ruhe näher kennen lernen. Ich persönlich achte auch gemeinsam mit meinem Partner darauf, das nicht die Vaterrolle übernommen wird und das sie immer wieder vor Augen geführt bekommt das sie einen Papa hat und Mamas neuer Freund kein neuer Papa ist. Mein Glück ist das die beidem eine Freundschaft zueinander aufgebaut haben. Meine Kleine sagt: „Er ist mein bester Freund!“ Damit bin ich als Mama mehr als einverstanden. So ganz ohne Bindung wäre es ja auch irgendwie doof für uns, denke ich. Sie hat ihn nicht nur akzeptiert, sondern geht zu ihm, wenn sie mal Hilfe braucht, er gehört nun zu unserem Leben dazu und Papa ist immer noch der Papa. Wenn wir uns sehen machen wir alles gemeinsam und in Sachen Erziehung habe ich natürlich das Sagen und werde im Alltag lediglich von meinem Partner dabei unterstützt, wenn es mal notwendig ist. Nach fast einem Jahr sind auch wir 3  ein tolles Team geworden und wenn man dann  meine Kleine hört wie sie uns fragt wann wir heiraten, scheint es uns ja wunderbar gelungen zu sein, auch sie mit der neuen Lebensumstellung, als Patchwork-Familie irgendwie glücklich zu machen. Kinder merken immer, wenn es Mama gut oder schlecht geht und ich denke das trägt auch sein Teil dazu bei, denn wenn es mir in der neuen Partnerschaft gut geht und die Kennenlern-Phase in Ruhe stattgefunden hat und gut gelungen ist, dann geht es euch dem Kind gut.

Hättet ihr es anders gemacht oder habt ihr andere Erfahrungen sammeln müssen?

 Bildquellenangabe: © Gerd Altmann  / pixelio.de

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